Geoffrey Farmer
The Care With Which The Rain Is Wrong
17. September – 19. November 2017
Eröffnung: 16. September 19:00

 

Geoffrey Farmer beschäftigt sich mit der politischen Kunst- und Kulturgeschichte der Menschheit, deren Bildreservoirs und Narrative er kontinuierlich erforscht. Mit Akribie legt er über einen oftmals langen Zeitraum Sammlungen von Bildern, Objekten und Sounds zu unterschiedlichen Themen an, aus denen umfangreiche installative Werke entstehen, die sich in einem anhaltenden Zustand der Transformation befinden. In den Medien Fotografie, Video, Skulptur, Text und Installation geht Farmer so der Frage nach, wie Wahrnehmung durch den jeweils spezifischen Bereich, den wir sehen, bestimmt ist, und wie das Bildhafte zur Requisite und zum Auslöser unserer Interpretation wird.

Für die Arbeit Boneyard, die im Oktogon der Schinkelklause präsentiert wird, dekonstruiert Farmer italienische Kunstmonographien der Reihe Maestri Della Scultura, welche im Verlag der mailändischen Brüder Fabbri publiziert wurden, indem er eine Vielzahl skulpturaler Reproduktionen ausschneidet und sie auf einem freistehenden kreisförmigen Sockel platziert. Die Abbildungen der Skulpturen aus verschiedenen Epochen reichen von der Antike zur Moderne und verschränken sich zur Narrative der einzelnen Figuren als Zeugen ihrer Zeit und ihrer Weltbilder. In der Tradition literarischer Ausschnitte, kreiert Farmer mithilfe von Tarotlegungen, Würfeln und Astrologie thematische Gruppierungen zu einem kunsthistorischen Kabinett. Begleitet wird diese Arbeit durch einen Text, der die Geschichte politischer Unruhen in Italien während der „bleiernen Zeit“ (1968- 82) zurückverfolgt, in der Maestri Della Scultura veröffentlicht wurde. In diesen Jahren gerieten die Fabbri Brüder unter Beobachtung der Brigate Rosse, eine links radikale paramilitärische Organisation, und wurden aus Angst um ihr Leben gezwungen Italien zu verlassen.

Im Glaspavillon des ersten Obergeschosses zeigt der Künstler Look in my face; my name is Might-have-been; I am also called No-more, Too-late, Farewell, eine computergenerierte digitale Bildprojektion, die sich aus einem Reservoir von über 17.000 Abbildungen speist – ein Bildarchiv, welches der Künstler konstant weiterentwickelt und ergänzt. Ein Spektrum an Bilderwelten aus Politik, ethnografischen Studien, anonymen Portraits, Genreszenen aus der Arbeits- und Freizeitwelt, sowie aus der Landwirtschaft und Industrie eröffnet sich als Animation und Wiederaufführung von Geschichte. Per Computerprogramm werden die Bilder mit einer Sammlung von Sounds zu einer hypnotischen Installation synchronisiert, die eine überbordende Fülle an Eindrücken erzeugt und zugleich zahllose Assoziationen und Verbindungsmöglichkeiten anbietet: Eine geschichts- und kulturübergreifende Reise durch die Welt, wie sie fotografisch in den vergangenen 150 Jahren festgehalten wurde.