Christopher Kulendran Thomas
in collaboration with Annika Kuhlmann

Ground Zero
11. September – 15. Dezember 2019
Eröffnung: 11. September 18:00

Ground Zero versammelt Arbeiten bedeutender junger Künstler aus Sri Lanka, die Christopher Kulendran Thomas in Colombo in einer der neuen Galerien für zeitgenössische Kunst erworben und als ‘Show-in-Show’ im Schinkel Pavillon installiert hat. Besucher können diese Ausstellung in Fragmenten durch einen Film hindurch sehen, der die Wechselbeziehungen zwischen zeitgenössischer Kunst und Menschenrechten in Zeiten technologischer Beschleunigung untersucht. Gedreht in Sri Lanka, verbindet der Film Being Human (2019) drei algorithmisch generierte, synthetische Charaktere – einen jungen tamilischen Künstler, einen international renommierten Maler und einen weltberühmten amerikanischen Popstar – und beschreibt eine elliptische Reise um die heutige Insel Sri Lanka, von den Nachwirkungen des Sri Lankanischen Bürgerkriegs bis zur Colombo Art Biennale, die in unmittelbarer Folge ins Leben gerufen wurde.

Christopher Kulendran Thomas Familie’ stammt von einem Ort, der heute nicht mehr existiert. Vor 10 Jahren, im Sommer 2009, wurde das tamilische Heimatland “Eelam” – damals im heutigen Norden und Osten Sri Lankas – von der sri-lankischen Armee ausgelöscht. Aus einer neo-marxistischen Revolution geboren, war Eelam fast 30 Jahre lang als autonomer Staat regiert worden, doch nach den Anschlägen auf die Vereinigten Staaten am 11. September 2001 wurden weltweit revolutionäre Bewegungen, die nationale Souveränität in Frage stellten, als terroristisch definiert. Unter dem zusätzlichen Druck geostrategischer Interessen der Mitgliedsstaaten, haben die Vereinten Nationen die Vernichtung Eelams nicht verhindert. Erstaunlicherweise haben gleich in den ersten Monaten nach der Gewalt (einhergehend mit einer wirtschaftlichen Öffnung des Landes) die ersten White-Cube-Galerien auf der Insel eröffnet, um eine Generation von Künstlern auszustellen, die von einem westlichen Kunst-Kanon beeinflusst ist, dem sie vor allem online begegnen. Schnell entstand unmittelbar nach Ende des Krieges ein neuer Markt für zeitgenössische Kunst in Sri Lanka.

Ground Zero ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Christopher Kulendran Thomas in Berlin. Die Installation, entwickelt in Zusammenarbeit mit Annika Kuhlmann, ist in ähnlicher Form aktuell im Rahmen der 58. Venedig Biennale in der V–A–C Foundation zu sehen und im kommenden Jahr im de Young Museum in San Francisco. Zwischen Dokumentation und Fiktion, Realität und Simulation, reflektiert die Ausstellung Fragen individueller und kollektiver Souveränität und Authentizität. Was bedeutet es noch “menschlich” zu sein, wenn Maschinen in der Lage sind, das menschliche Bewusstsein zunehmend überzeugend zu synthetisieren? “Weltweit bietet der juristische Rahmen der Menschenrechte nicht nur Schutz für Unterdrückte und Entrechtete, sondern dient zugleich als Deckmantel für imperialistische Bestrebungen von Staaten, die für die Durchsetzung der Menschenrechte verantwortlich sind. Vielleicht liegt das Problem jedoch nicht bei den Menschenrechten, sondern ist in der Kategorie Mensch selbst zu suchen.” (Christopher Kulendran Thomas)

Die Ausstellung Ground Zero im Schinkel Pavillon wird mit der großzügigen Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds, Outset Germany_Switzerland und der Henry Moore Foundation realisiert und in Partnerschaft mit dem de Young Museum, San Francisco, präsentiert.

Being Human (2019) wurde von der V-A-C Foundation als Teil von Time, Forward! im Rahmen der 58. Venedig Biennale beauftragt.